Die mächtige PR-Maschinerie der Autohersteller arbeitet auf Hochtouren: Anderes als Weltpremieren kündigt man schon gar nicht mehr an, und natürlich wird alles besser bei den Automodellen der Zukunft.

Das Motto der Internationalen Automobil-Ausstellung (IAA) lautet „Zukunft serienmäßig”, doch der VCD kritisiert, dass das, was zu sehen ist, nur stückweise dem wohl klingenden Leitspruch entspreche. Die Autohersteller würden weiterhin auf Autokonzepte von vorgestern setzen und verdienten insbesondere mit den gängigen Luxuslimousinen, die einen enormen Spritverbrauch aufweisen Rekordsummen, so der ökologische Verkehrsclub jetzt in einer Pressemitteilung.

Gerd Lottsiepen, Verkehrspolitischer Sprecher des Verkehrsclub Deutschland (VCD) meint sogar, die Einführung von Zukunftstechnologien sei in Deutschland „völlig verschlafen” worden und verweist auf Japan. Während Toyota und Honda die Hybridisierung bereits bei Kleinwagen einführen, fände man den Hybridantrieb bei deutschen Herstellern ausschließlich unter den Luxuslimousinen.

Damit werden laut Lottsiepen lediglich die Spritschlucker im Normtest unter zehn Liter Verbrauch gebracht. „Allein der Bau der effizientesten und schnellsten Pkw im sogenannten Premiumsegment reicht aber nicht aus, um gegenüber der Konkurrenz aus Asien zu bestehen.”

Auch beim Thema Elektromobilität sieht der VCD Aufholbedarf und kritisiert, dass die Autoindustrie E-Autos als Allheilsbringer präsentiere. Dabei steht kein Elektroauto aus dem Volkswagen- und Daimler-Konzern oder von BMW auf der IAA, das noch in diesem Jahr gekauft werden kann. Die Autohersteller, so Lottsiepens Fazit, lenken mit der Elektromobilität von ihren Hauptaufgaben ab, den CO2-Ausstoß für die gesamte Fahrzeugflotte zu senken

In der Sonderschau zur Elektromobilität in Halle 4 sind viele Konzeptstudien zu sehen: kleine, leichte Ein- und Zweisitzer. Das kann ein Einstieg in eine zukunftsfähige Mobilität sein. Die Fahrzeuge passen allerdings nicht in einen von Höchstgeschwindigkeitsideologie beherrschten Realverkehr, in der über zwei Tonnen schwere Geländewagen den Ton angeben. Bezahlbare Elektrofahrzeuge werden auch zukünftig klein und in ihrer Höchstgeschwindigkeit begrenzt sein.

Mit Blick auf den EU-weit geltenden CO2-Grenzwert von durchschnittlich 130 Gramm pro Kilometer, der ab 2015 für die gesamte Neuwagenflotte gilt, sind die meisten Autohersteller auf der Zielgeraden, so heißt es weiter in der Pressemitteilung. Das ist angesichts der viel zu schwachen Vorgaben keine großartige Leistung. EU-weit lag der CO2-Ausstoß im vergangenen Jahr bei 140 Gramm pro Kilometer, in Deutschland bei 151. Im europäischen Vergleich ist der durchschnittliche CO2-Ausstoß der in Deutschland verkauften Autos damit viel zu hoch. Laut einer Analyse der Europäischen Umweltagentur weist Deutschland 2010 mit einem Minus von 1,8 Prozent zudem die niedrigste Reduktionsrate auf.