car2go: Smart in Ulm

car2go: Smart in Ulm

Was ist noch umweltfreundlicher, als ein „grünes“ Auto zu haben? Richtig: gar kein Auto zu haben. Die Möglichkeiten dafür sind hierzulande derzeit aber noch sehr beschränkt. Es gibt „Carsharing“ von etlichen Autogemeinschaften, vor allem in größeren Städten. Meistens muss man da ziemlich rechnen, bevor man weiß, ob man das machen soll. Und man muss planen: Bedarf anmelden, Auto abholen und für die festgesetzte Zeit nutzen, zurückbringen.

car2go, ein Pilotprojekt des Daimler-Konzerns zur „urbanen Mobilität“ in Ulm ist da schon verlockender: Überall in der Stadt stehen Smarts herum. Naja, nicht überall: 200 Fahrzeuge reichen dafür nicht, aber sie sind nicht an bestimmte Abstellplätze gebunden, auch wenn es die gibt. Wer seinen Smart nicht mehr braucht, lässt ihn stehen.

Freie Smarts findet man auf den gekennzeichneten Parkplätzen (wie kommen sie da wieder hin?), wer so einen findet erkennt an einem Signal, ob das Auto frei ist. Tanken muss man normalerweise nicht selbst (wer macht das dann?), und wenn doch, zahlt man mit der Tankkarte im Handschuhfach. Öffnen kann man die Fahrzeuge mit einem Chip auf dem Führerschein. Abgerechnet wird automatisch nach ganz einfachen Regeln: 19 Cent die Minute, alles inklusive. Die Stunde 9,90 Euro, am Tag maximal 49 Euro. Keine jährliche Mitgliedsgebühr, keine vorherige Reservierung.

Das ist in meinen Augen das Zukunftsmodell: Autos nur nutzen, nicht kaufen. Kommt wohl auch in Ulm außergewöhnlich gut an, hat aber seine Wurzeln eigentlich in den USA und heißt dort Zipcar. Die Teilnehmer sind – den Nutzungszahlen zufolge – begeistert, die Medien auch. Daimler sowieso.

Wenn man sich die Zipcar-Website ansieht, dann sieht man, dass das in den USA schon etwas weiter verbreitet ist – in großen Städten und (!) an Universitäten (was ja auch was über die Klientel aussagt). Und das ist für mich eigentlich der einzige Wermutstropfen: Das System wird sich durchsetzen, auch bei uns, aber eben nicht auf dem flachen Land (wo auch ich wohne).

Dass das in tiefster Provinz nicht funktionieren kann ist mir auch klar. Was aber ist mit den mittelprächtigen Städten und Dörfern? Meine Heimatstadt hat rund 10.000 Einwohner und ein größeres ländliches Einzugsgebiet. Im Vergleich zu den größeren Städten, wo das Nahverkehrsangebot meistens sowieso schon so gut ist, dass man kein eigenes Auto braucht, fühlt man sich da manchmal etwas abgehängt von der Entwicklung (wenn man kein eigenes Fahrzeug hat).

Die Autoverleiher haben da nix entgegen zu setzen, andere haben wohl nicht Finanzkraft, um Vergleichbares ins Leben zu rufen. Bleiben eigentlich nur die Autohersteller. Vergleichbar ist das Modell in meinen Augen derzeit nur mit den Mieträdern der DB, die je ebenfalls eine rege Nachfrage erfahren.

Fehlt also noch der Dienstleister, der in die Bresche springt: So wie im Energiebereich, wo es schon jetzt Anbieter gibt, die für Kommunen die Energiedienstleistung erbringen, Gebäude mit Strom und Wärme versorgen ohne dass die Gemeinden in die Technik investieren.