
Man kann ein Thema ja immer von zwei Seiten angehen: Der VCD macht das beim Thema Familienautos aus meiner Sicht sehr sympathisch und wie bei den anderen Kategorien auch: Er schreibt eine Umweltliste und da stehen die umweltfreundlichsten Autos drin. Sortiert wird nach Kategorien wie Top Ten generell, Familienautos, Kompaktklasse, 7-Sitzer etc.
Einen etwas mehr aufmerksam heischenden Ansatz versucht Utopia: Diese Familienvans gehen fahren 2011 gar nicht, ist dort der entsprechende Artikel überschrieben.
Etwas deutlicher wird der Ansatz in der Unterzeile: “10 Gutmenschen-Autos, die 2011 gar nicht mehr gehen”. Und gemeint sind mithin die “Freiheitssymbole und Platzwunder”, die aber leider nicht klimaschonend seien.
Doch die griffige Formulierung täuscht ebenso wie die Ergebnisse über den wahren Sachverhalt hinweg, finde ich. Auf Platz 1 der angeblich zehn größten CO2-Sünder unter den Familien-Vans steht der Bulli. Nun muss man nicht (wie ich) jahrelang wunderschöne Reisen in alten VW-Bussen gemacht haben, um auf Anhieb auch einige Vorteile den Autos zu entdecken, die bei der Betrachtung wohl untergehen.
Gefahren wird auch der VW T5 nämlich nicht nur als Luxusgefährt für die vierköpfige Familie (obwohl das sicher auch oft genug verkommt). Er ist auch der einzige in der Liste, der immerhin 9 Sitzplätze hat und das schönt die Bilanz doch ganz erheblich, finde ich. Und selbst wenn man ihn in seiner Funktion als Camper betrachtet: Ich kenne die aktuellen der Wohnmobile nicht, an dessen räumlich untersten Grenze der VW T5 rangiert. Aber die tonnenschweren mobilen Eigenheime mit sechsstelligem Anschaffungspreis liegen wohl auch aus umwelttechnischer Sicht deutlich hinter dem VW.
Am Ende (oder Anfang?) der Liste steht dann wieder ein VW, der Touran, der mit geringen CO2-Emission von 121 Gramm pro Kilometer punktet.
Beim VCD geht man das Thema wie gesagt gerade anders herum an, hier muss man als planendes Elternteil wohl auch gleich zwei Listen berücksichtigen: Die der 7-Sitzer (angeführt von drei Touran-Modellen, dann kommen nur noch zwei Zafira-Modelle) und den Familienautos. Und ob dort wiederum der Toyota Prius Hybrid, der Skoda Fabia GreenLine 1.2 TDI CR Combi und der Seat Ibiza ST 1.2 TDI CR Ecomotive wirklich zu Recht stehen, dass muss jeder selbst entscheiden, der mal vier Menschen samt Gepäck in seinem Auto unterbringen möchte. Immerhin steht der Prius auch bei den Autos der Kompaktklasse auf Platz 1, da gehört er wohl eher hin…
Lobenswert sind sicher beide Initiativen, die von Utopia und die des VCD: Hilfestellung aus Öko-Sicht ist bei jeder Auto-Anschaffung heute begehrt. Nach meiner Auffassung rückt der Öko-Aspekt aufs Niveau der anderen Kriterien zurück, je spezieller die Anforderungen sind: Der Winzer, der wahlweise die Großfamilie oder die Euro-Palette ins Auto bringen muss, dem bleibt keine andere Wahl als der T5. Die Familie mit einem Kleinkind und vielen Stadtfahrten kommt sicher auch mit dem Prius aus.
Ein Problem solcher Listen ist aus meiner Sicht auch, dass der Großteil der Bevölkerung, der sich gebrauchte Autos kauft, nicht berücksichtigt wird. Das Budget ist hier sicher knapper, die Daten und die ökologische Ranglistenordnung sicher nicht mehr präsent, zumal sich da in der Gesamtsicht auch einiges geändert haben kann.
