Werden Diesel-Fahrzeuge demnächst ausgesperrt? Photo by Nabeel Syed

Werden Diesel-Fahrzeuge demnächst ausgesperrt? Photo by Nabeel Syed

Die ZEIT versucht mit diesem Online-Artikel etwas Licht ins Dunkel um die blaue Umweltplakette zu bringen: Diesel: Was soll die blaue Plakette? | ZEIT ONLINE.

Nun kann man das nicht als Kaffeesatz-Leserei abtun. Zwar gibt es außer einem Beschluss der Umweltminister noch nix Konkretes, aber es wird hier schon mal ganz gut ausgeleuchtet, was auf die Autofahrer zukommen kann.

Ich selbst sehe die Plakette – trotz aller Aufgeschlossenheit für Umweltthemen – eher kritisch. Mir kommt das so vor, als hätte die Politik nach dem Dieselskandal versucht, schnell etwas Wirkungsvolles zu präsentieren. Auch wenn das Ganze vielleicht etwas unausgegoren ist.

Schließlich trifft diese Änderung der blauen Plakette, die letztlich auch irgendwann mit Einschränkungen und Fahrverboten einhergehen soll und wird, vor allem die Verbraucher. Auch diejenigen, die versucht haben, beim Kauf ihres Fahrzeugs nach bestem Wissen und Gewissen ein umweltfreundliches Modell mit niedrigen Verbrauchswerten auszuwählen. Das gilt auch für all diejenigen, die sich ein Gebrauchtfahrzeug gekauft haben.

Die Vertreter der Autoindustrie können sich dagegen ein weiteres Mal die Hände reiben und auf ihre neuesten Modelle verweisen, die jetzt die EURO-6-Norm erfüllen. Dass die Erfüllung dieser Normen und Abgaswerten erst noch mal mit Messungen im Alltag belegt werden muss, steht ja wieder auf einem anderen Blatt.

Die Landesanstalt für Umwelt, Messungen und Naturschutz Baden-Württemberg hat übrigens schon 2014 an drei EURO-6-Diesel Pkw Messungen der NO2- und NOx-Emissionen vorgenommen. Demzufolge lagen die NOx-Emissionen im Innerortsbereich um den Faktor 1,6 – 8,5, im Außerortsbereich um den Faktor 1,7 – 7,7 über dem Grenzwert der Euro 6-Norm von 80 mg/km.

Nüchternes Fazit der Real-Tester:
Angesichts der Probleme in der Luftreinhaltung mit der Überschreitung der NO2-Immissionsgrenzwerte an stark befahrenen innerstädtischen Straßen mit enger Randbebauung sind die in dieser Untersuchung festgestellten NOx-Emissionen der untersuchten Euro 6-Mittelklasse-Pkw noch deutlich zu hoch.

Weitere Details:
• Besonders schädlich ist Stop-and-Go. Je höher die Dynamik des Fahrverlaufs, desto höher die Emissionen. Dieses Verhalten sei, so heißt es, bei EURO-4- und EURO-5-Diesel-Pkw deutlich geringer ausgeprägt.
• Maximalwerte gibts jenseits der 130 km/h.
• Tempo 30 brachte keine Verringerung.

Was kommt auf Diesel-Fahrer zu?

Selbst wer ein neues Fahrzeug mit EURO 6 besitzt, kann nicht sicher sein, dass ein Auto die Grenzwerte für NO2 und NOx im realen Betrieb einhält. Generell sollte man dennoch beim Kauf, auch Gebraucht-Kauf, auf die besten Daten achten. Und schließlich hat – auch wenn diese Erkenntnis oft müde belächelt wird – der Fahrstil und das flüssige Vorankommen nicht unerheblichen Einfluss auf Verbrauch und noch mehr auf Schadstoffe. Was oben als „dynamisches Fahren” bezeichnet wird, ist ja oft genug mit dem in Deutschland mit dem überstrapazierten Begriff „sportliches Fahren” verbunden und eher unsinnig.