Daimler hat jetzt offiziell bestätigt, dass der E-Smart nicht mehr gebaut wird – vorübergehend. Ein Nachfolger soll erst Ende 2016 wieder erhältlich sein. Damit haben die Schwaben einen Strich drunter gemacht, der auch endgültig sein könnte. Denn die Nachfrage nach Elektro-Autos hat sich nicht so entwickelt, wie das vorhergesagt wurde – auch von der Automobilindustrie.

Schon bislang hat Daimler, das mit großem Aufwand das Projekt car2go startete und in vielen deutschen Großstädten zunächst ausschließlich mit der Elektro-Variante des Smart ausstattete, wohl nach und nach die Elektro-Autos aus der Verleihflotte zurückgezogen. Wahrscheinlich geschah das auch nicht so ganz gegen den Willen der Kunden: Wer beispielsweise in Stuttgart einen E-Smart auslieh und damit in benachbarte Regionen wie das Remstal fahren wollte, der musste schon ziemlich genau schauen, wo es dort noch Elektro-Tankstellen gab.

Trotzdem hielt man bei Daimler mit einem Einstiegspreis von nur rund 20.000 Euro für Elektromobil einen Trumpf in der Hand: Deutsche Vehikel waren als Stromer erst für sehr viel mehr Geld zu haben, und auch die Konkurrenz aus Fernost hatte an diesem Einstiegspreis zu knabbern – konnte man doch keinen renommierten Markennamen für die relativen teuren Fahrzeuge ins Speil bringen.

Der von Daimler-Chef Dieter Zetsche formulierte Führungsanspruch des Konzerns in der Elektromobilität erscheint nach diesem Schritt etwas blass: Zwar hatte man noch im Frühjahr für den Elektro-Winzling geworben, doch mit der „Bau-Lücke“ des Smart bis Anfang 2016 darf man schon Zweifel anmelden, wie weit es mit dem Führungsanspruch noch her ist: Das nächste E-Modell des Konzerns kostet rund das Doppelte – zuviel für die breite Masse, die man für Elektrofahrzeuge mobilisieren wollte.

Dem Stuttgarter Konzern wird der E-Smart wahrscheinlich nicht besonders fehlen in dieser Zeit: Die Absatzzahlen sind gut, und wenn man genügend große teure Autos verkauft sind kleine teure Autoas wahrscheinlich eher verzichtbar. Das scheint auch generell für den Markt in Deutschland zuzutreffen. Außer ein paar Strom-Tank-Parkplätzen in der Innenstadt hat sich offensichtlich nicht allzuviel getan.

Doch auch vor einem E-Auto-Wahn warnt Schneidewind. Es sei eine Illusion, Klima- und Umweltprobleme mit der Einführung von Elektroautos lösen zu wollen, sagte er. Der Ressourcenverbrauch würde zunehmen, der Straßenverkehr nicht vermindert. Elektromobilität macht Schneidewind zufolge nur Sinn, wenn sie mit veränderten Mobilitätskonzepten einhergeht. Für eine angepasste Mobilität in den Städten seien Elektro-Fahrräder und ausgebaute Fahrrad-Infrastrukturen sowie ein attraktives Bus- und Bahn-Angebot genauso wichtig. Nötig seien zudem eine verkehrsreduzierende Raum- und Stadtplanung, verbesserte Umsteigemöglichkeiten zwischen den Verkehrsmitteln und ein breites Car-Sharing-Angebot.

Car-Sharing betreibt auch Daimler. Car2go heißt das Projekt der Schwaben. Es muss nun auch ohne E-Smarts auskommen. Nachdem das Projekt begleitet von einer großen Werbekampagne 2009 an den Start ging, ist es still darum geworden. Ulm war die erste deutsche Start, in der Daimler die Teilautos anbot. 2014 machte der Konzern das Projekt dort dicht. Am prestigeträchtigen Standort Berlin hat Car2go inzwischen keinen einzigen E-Smart mehr im Fuhrpark, die 16 ursprünglichen Exemplare wurden aussortiert. Der Betrieb indes geht dort weiter. Mit Autos ohne E-Antrieb. Mit Smarts, die alles an Bord haben, was einen Smart zum Smart macht – auch einen Verbrennungsmotor.

Daimler bestätigt Aus für den E-Smart | Das elektrische Fahrtenbuch.