Das Brompton Faltrad wird hergestellt in England und verbindet englischen Charme mit einem professionellem Konzept. Für die meisten ist es „das“ Faltrad schlechthin: Solide, zuverlässig, durchdacht. Aber eben auch teuer. Ich war neugierig und habe mir über die Pressestelle ein Leihfahrrad besorgt, das mir kostenlos zur Verfügung gestellt wurde.

Hier gibts auch ein kurzes Video mit meinen Erfahrungen.

Das Brompton Faltrad kompakt verpackt: Mit Reisemaß im Karton verpackt

Das Brompton Faltrad kompakt verpackt: Mit Reisemaß im Karton verpackt

Das Brompton Faltrad ist kompakt und (relativ) leicht

Das Brompton Faltrad ist kompakt und (relativ) leicht

Das zusammengeklappte Fahrrad kommt mit dem Paketdienst und schon die Verpackung ist knuffig und sehr kompakt. Und in diesem Päckchen ist ein Faltrad?

'Bella figura' auch am Hauptbahnhof: griffbereit und dank Rädchen am Gepäckträger auch fahrbar.

‚Bella figura‘ auch am Hauptbahnhof: griffbereit und dank Rädchen am Gepäckträger auch fahrbar.

Der Ehrgeiz, alles intuitiv in Betrieb zu nehmen, versagt vor diesem Knäuel aus Stahl und Reifen. Aber ein Blick auf die Kurzanleitung genügt. Zuerst noch zaghaft, später immer flotter wird geklappt und gefaltet. Mit etwas Routine genügt weniger als eine Minute, um aus einem Rad ein handliches Gepäckstück zu machen, das man auch kostenlos im Zug mitnehmen kann. Zeit genug also, mit dem Zusammenklappen zu beginnen, wenn der Zug in Sichtweite gerät.

Brompton Faltrad: durchdachte Konstruktion

Das Brompton Faltrad ist durchdacht: Zur Hälfte zusammengeklappt, also Rahmen und Lenker eingeklappt, bleibt ein Ding, das wie ein Rollkoffer aussieht und sich auch so bewegen lässt: Am ausgefahrenen Sattel kann das auf den Rollen des Gepäckträgers gelagerte Bündel gut bewegt werden. Niemand braucht die rund 13 Kilo Fahrrad länger zu tragen, als unbedingt notwendig.

Die Kurzanleitung fürs Falten genügt meistens - und die ist mehrfach aufgedruckt.

Die Kurzanleitung fürs Falten genügt meistens – und die ist mehrfach aufgedruckt.

Wer dennoch tragen muss, der findet am Brompton-Rahmen eine gute Stelle zum Zupacken. Hilfreich sind auch Details wie ein auf einer Seite einklappbares Pedal, das dann auch nicht mehr am Hosenbein streift.

Und darum geht es doch beim Klapprad: Ein- und Ausklappen. Tragen, zum Auto, auf den Bahnsteig, im Zug. Und fahren natürlich.

Spass am Fahren: nicht ganz unwichtig

Spätestens hier, beim Fahren, endet für manch engagierte Radler die Vorstellungskraft, die einen Umstieg aufs Klapprad verlockend erscheinen lässt. Vor allem gestandene Sportler (meist Männer) finden das Erscheinungsbild eines erwachsenen Menschen auf einem Klapprad nicht sehr ansprechend. Doch auch hier lohnt es sich, über seinen Schatten zu springen: Ausprobieren hilft. Der Sattel lässt sich auch für größere Menschen anpassen und auf dem Rohr so montieren, dass man auch geringfügig größeren Abstand zum Lenker herausschlagen kann.

Da ist mehr drin als nur der Weg zum Bahnhof.

Da ist mehr drin als nur der Weg zum Bahnhof.

Ich mit meinen 171 cm Körpergröße kam mit dem Brompton bestens zurecht: Auf kürzeren und längeren Strecken, mit und ohne Gepäck, bergauf und bergab. Wer ein paar Mal in größeren Städten unterwegs ist, der entdeckt schnell auch andere Brompton-Fahrer und offensichtlich ist auch jenseits einer Körpergröße von 1,80 Metern der Spass am Klappradfahren wenig beeinträchtigt. Auf Kopfsteinpflaster sind die nur 16 Zoll großen, bockelhart aufgepumpten Räder kein richtiges Vergnügen. Aber das trifft für viele andere Räder auch zu. Vom Fahren auf unbefestigten Wegen rät der Hersteller ab – ein Rat, dem offensichtlich viele Outdoor-Abenteurer nicht nachkommen, wie einige Videos im Netz beweisen.

Dort sieht man das Brompton Faltrad auch oft als Packesel, schwer beladen mit Front- und Satteltaschen. Offensichtlich hat die robuste Konstruktion des englischen Hersteller unter Outdoor-Freunden besonders viele Anhänger gefunden.

Ausstattungskomfort: Für jeden was dabei

Wers bequem liebt, kommt aber auch auf seine Kosten. Mein Exemplar war mit einer 6-Gangschaltung ausgestattet, bei der drei Gänge über Zahnkränze geschaltet werden und zwei über eine Duo-Nabenschaltung. Eingewöhnt hat man sich schnell und kommt damit flott voran: Der kleinste Gang lässt den Radler auch steilste Anstiege bewältigen, der größte reicht aus, um auch bergab noch ordentlich Gas zu geben.

An meinem Exemplar war zudem ein Nabendynamo angebracht, der das Brompton zum rundum alltagstauglichen Stadtfahrrad machte.

Von puritanisch bis luxuriös ist ausstattungsmäßig alles möglich, schon ab Auslieferung. Hier mit 6-Gang-Schaltung, Nabendynamo, Gepäckträger.

Von puritanisch bis luxuriös ist ausstattungsmäßig alles möglich, schon ab Auslieferung. Hier mit 6-Gang-Schaltung, Nabendynamo, Gepäckträger.

Die 6-Gang-Schaltung ist eine gute Lösung für Alltag und Ausflüge.

Die 6-Gang-Schaltung ist eine gute Lösung für Alltag und Ausflüge.

Ein Nabendynamo sorgt für wenig Stress in der dunklen Jahreszeit.

Ein Nabendynamo sorgt für wenig Stress in der dunklen Jahreszeit.

Verkehrsmittel kombinieren

Seine Vorzüge zeigt das Brompton immer dann, wenn man zwei Verkehrsmittel kombiniert: Rad und Auto oder Rad und Bahn oder Bus oder alles zusammen. Die Einklapp-Routine hält einen schon am dritten Tag nicht weiter auf. Der Klapp-Mechanismus ist ziemlich idiotensicher.

In der Bahn kann man das 13-Kilo schwere Gefährt immer irgendwo abstellen oder im schlimmsten Fall auch mal ins Gepäckfach hieven. In einem Zeitungsbericht wurde neulich geschildert, dass ein Busfahrer die kostenlose Mitnahme des Gepäckstücks ohne Fahrrad-Karte verweigerte – zu Unrecht. Ein Klapprad in zusammengeklapptem Zustand gilt wohl nicht nur in der Bahn, sondern auch im Bus einfach als Gepäckstück, das dort kostenlos befördert wird.

Bei meinen Bahnfahrten gab es keine Probleme, natürlich muss das Klapprad auch eingeklappt sein. Wer aus Bequemlichkeit oder weils schnell gehen muss das Rad aufgeklappt ins Radabteil stellt, wird um die Zusatzkosten der Radkarte bei einer Kontrolle nicht umhin kommen.

Stadterkundung mit Straßenbahn und Rad

Stadterkundung mit Straßenbahn und Rad

Keine Probleme und keine zusätzlichen Kosten im Zug.

Keine Probleme und keine zusätzlichen Kosten im Zug.

Fahrradgaragen sind ein tolle Sache, für Faltrad-Fahrer aber meist verzichtbar.

Fahrradgaragen sind ein tolle Sache, für Faltrad-Fahrer aber meist verzichtbar.

Gut mit Bahn und Bus kombinierbar.

Gut mit Bahn und Bus kombinierbar.

Ein guter Partner für Bahn, Bus und Pkw

Auch im Auto zeigt sich das Brompton Faltrad von seiner besten Seite. Kofferräume auch bei Kleinwagen (bei uns ein Peugeot 208) haben mit dem Rad-Paket keine Schwierigkeiten. Man kann es legen oder auch stellen, so dass andere Gepäckstücke noch Platz finden. In der größeren Familienkutsche passt das Brompton zusammengeklappt hinter der ersten Sitzreihe in den Fußraum. Solange nur drei oder vier Personen unterwegs sind, kann also auch das Rad mit – selbst wenn der Kofferraum schon voll ist.

Das Klapprad hat oft auch im Fußraum Platz.

Das Klapprad hat oft auch im Fußraum Platz.

In der Stadt macht das kompakte Gefährt ebenfalls eine gute Figur. Der Wechsel von der Straße auf die Tram geht zügig, gepflasterte Wege sorgen – so lange es kein ganz grobes Kopfsteinpflaster ist – lediglich für eine angepasste, geringere Geschwindigkeit. Ins Treppenhaus oder ins Büro kann man das Klapprad natürlich ebenfalls leicht mitnehmen. Ins Grübeln gekommen bin ich vor Ladengeschäften oder Cafés: Mein Kabelschloss erschien mir für das rund 1.500 teuere Leih-Gefährt nicht vertrauenerweckend genug. Mit reinnehmen ginge, ist aber auch nicht die optimale Lösung.

Große Fahrrad-Parkplätze sind nicht so sein Ding. Diebstahlsicher ist das Mitnehm-Faltrad nur mit sehr gutem Schloss. Ansonsten: Mitnehmen.

Große Fahrrad-Parkplätze sind nicht so sein Ding. Diebstahlsicher ist das Mitnehm-Faltrad nur mit sehr gutem Schloss. Ansonsten: Mitnehmen.

Bliebe ein großes, stabiles Bügelschloss als Lösung. Die in Städten sehr aktiven Rad-Diebe wissen wahrscheinlich sowohl um den Wert eines Brompton, als auch um die Vorteile des Klappmechanismus: Auch wer flüchten will, profitiert vom schnellen Aufbau.

Damit wären die Nachteile des Brompton schon erschöpfend beschrieben: Da ist zunächst der relativ hohe Preis. Unter 1200 Euro sind auch die Basisversionen schwer zu bekommen und selbst gebrauchte Bromptons erzielen noch gute Wiederverkaufswerte. Die Diebstahlsorge wird Radler kaum schrecken: Wer sich ein Klapprad zulegt hat oft schon ein oder zwei andere Räder, die es zu sichern gilt. Die Abwägung zwischen Sicherheit auf der einen und Kompaktheit und Gewicht auf der anderen Seite ist ja bekannt.

„Entdecke die Möglichkeiten”

Mein Fazit: Wer pendelt und den Weg von und zum Bahnhof bewältigen muss, der ist mit einem Klapprad bestens bedient. Er findet im stabilen Brompton einen guten Partner, der nicht mit hakeligen Mechanismen nervt, guten Fahrkomfort bietet und – das ist die Kehrseite des hohen Preises – einen ausgesprochen guten Wiederverkaufswert.

Wer viel mit dem Auto unterwegs ist und auch bei Stadtbesichtigungen oder der Erkundung des Zielortes mobil bleiben möchte, für den ist der Kaufpreis sicher ebenfalls in Ordnung. Für Expeditionen und Outdoor-Aktivitäten sollte man bei Experten nachfragen, die das Brompton schon im Einsatz hatten, wie ihre Erfahrungen aussehen.

Nach meiner Einschätzung passt das Brompton gut in die Verkehrskonzepte und -vorstellungen der Zukunft: Künftig wird der Schwerpunkt der Mobilität nach meiner Überzeugung darin liegen, die passenden Verkehrsmittel zu kombinieren. Ein Auto zu besitzen und sein ganzes Mobilitätsverhalten danach auszurichten, ist für viele Menschen heute – vor allem in Großstädten – kein überzeugendes Konzept mehr. ÖPNV und Bahn und Fernbus, auch mal Taxi und Flieger lassen sich heute vor allem dann gut kombinieren, wenn man für die Fußwege dazwischen passende Gerätschaften dabei hat. Skateboard, Inliner, ein Klapprad oder Roller bieten sich da an.