Veröffentlicht am 8. Februar 2012

Bahncard 100 - die rundum-sorglos-Lösung?
Wer über umweltfreundliche Mobilität grübelt, der kommt an öffentlichen Verkehrsmitteln kaum vorbei. In unserem Land heißt das: Bahn fahren. Und bei diesem Stichwort fallen einem spontan tausend Stichworte ein – und kaum eines davon ist positiv besetzt: Ausfälle bei Kälte, Strapazen bei Hitze durch ausgefallene Klimaanlagen, Verspätungen, Pöbeleien im Zug etc.
Dabei gibt es durchaus echte Bahnfans, die gerne im innerdeutschen (und internationalen) Zugnetz unterwegs sind und auch viel Lob für diese Art der Fortbewegung finden. Aber wer viel reist, der erlebt auch viel und da sind eben auch kritische Betrachtungen angebracht. Zum Beispiel solche wie diese von Jan Theofel: Was bekommt man bei der DB für 4000 Euro? Keine klare Antwort!.
Hier bezieht sich die Kritik auf die Nutzung der Bahncard 100 in den Stadtgebieten. Für Bahncard 100-Nutzer sollte die wohl generell frei sein. Alle anderen Bahncard-Benutzer haben dagegen die Einschränkung, dass ihr Abfahrtsort mindestens 100 km entfernt ist und zu einem der City-Ticket-Gebiete gehört (wenn ich das richtig verstanden habe)
Für alle, die sich nicht so intensiv mit dem Thema Bahncard beschäftigt haben: Die Bahncard 100 ist sozusagen die Krönung des Bahnfahrens: Für derzeit 3900 Euro kann man ein Jahr ohne weitere Kosten im Streckennetz der DB fahren, eben auch in den Verkehrsverbünden der Stadtgebiete. Das Rundum-sorglos-Paket also.
Für soviel Geld muss man schon eine Weile unterwegs sein, damit sich das lohnt: Die Wochenendbesuche bei der Oma im 100 Kilometer entfernten Ort werden kaum ausreichen, damit sich das amortisiert. Auf der anderen Seite spart man auch in anderen Bereichen, bekommt Leihfahrräder und -Autos entweder günstiger oder spart die Grundgebühr etc.
Insgesamt ist das Angebot zwar auf den ersten Blick verlockend. Aber – wie auch der oben angeführte Artikel zeigt – eben nicht die Rundum-sorglos-Lösung: Was ist mit Platzreservierungen? Wieso bekomme ich das Leihfahrrad zum Beispiel nicht umsonst, als Bahncard 100 Kunde? Betriebskosten wie beim Mietwagen entstehen ja nicht. Auch für die Parkplätze am Bahnhof gibts günstigere Preise. Aber wer für jede Abfahrt in die nächste größere Stadt muss und dort ein paar Tage lang sein Auto abstellt, der zahlt ordentlich drauf.
Und schließlich: Gibts da keine App dafür? Es gibt wohl, wenn meine Übersicht stimmt, für viele Teilbereiche eine App: Für den Fahrplan, den Ticketkauf, das Leih-Fahrrad… Aber fürs große Ganze? Beispielsweise von hier (Emmendingen) nach Freiburg ins Parkhaus, dann mit Platzreservierung in den ICE nach Hamburg, dort auf Fahrrad oder Leihwagen umsteigen.
Aber auch dann bliebe noch die Überlegung, dass zu den knapp 4000 Euro fürs Bahnticket noch Parkhauskosten, Reservierungskosten und evt. Anschlusskosten (Fahrrad, Auto) kommen. Bei Viel-Reisenden – und nur für die ist das ja interessant – kommt da nochmal ein schöner Batzen zusammen.
